Allg. Patentanwalt - welche Chancen haben Biowissenschaftler?

biowpa

Schreiber
Nachdem ich mich in das Themenfeld eingelesen habe, bin ich ziemlich verunsichert.
Mir stellen sich folgende Fragen:

  1. Ist der Beruf des PA für Biowissenschaftler eine echte Option?
    Oder sind schon die Kandidatenstellen so selten (die Bewerbungen so zahlreich), dass die Annahme einem 6er im Lotto gleichkommt?
  2. Gibt es für die nachkommenden (bio.) PAs überhaupt genug Arbeit ?
    Oder steht man nach der Ausbildung mit hoher Wahrscheinlichkeit ohne Mandanten da?
Diese Fragen sind bewusst "pessimistisch" formuliert.
Mir ist bewusst, dass einige Biologen erfolgreich als Patentanwalt arbeiten.
Dennoch habe ich den Eindruck, dass der Markt für PAs aus der Biologie quasi tot ist.
Ich will auf keinen Fall eine Postdoc aufgeben, um nach weiteren Jahren Ausbildung ohne Perspektiven dazustehen.


Vielleicht finden sich in diesem Forum sogar (Bekannte von) PAs / Kandidaten aus den Lebenswissenschaften, die fundierte Aussagen zu dem Thema treffen können.



Vielen Dank für eure Hilfe!
 
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Khisanth

SILBER - Mitglied
Hallo,

das Thema wurde bereits in mehreren Threads ausführlich behandelt. Große Veränderungen haben sich in der Zwischenzeit nicht ergeben, deshalb solltest Du einfach die alten Beiträge lesen.

Was das Angebot an Kandidatenstellen angeht, kannst Du ja einfach die Stellenangebote hier durchgehen und Dir selbst ein Bild machen. Die zukünftige Entwicklung kann kein Mensch seriös vorhersehen, aber vieles spricht dafür, dass es auch in Zukunft für reine Biologen schwieriger sein wird als für Chemiker oder gar Maschinenbauer.

Viel Glück!
 

biowpa

Schreiber
Erstmal danke für die Antworten und eure Geduld. (;


In habe die anderen Threads durchgelesen, allerdings waren dortige Aussagen oft etwas vage.

Ich verstehe, dass die Situation für Biologen schwieriger ist als für Chemiker.
Was ich wissen wollte, ist, ob man BioPA überhaupt realistische Chancen hat (oder ob man sich quasi sicher sein kann, eine völlig wertlose Ausblidung durchzumachen).
(Natürlich hatte ich auch gehofft, auf einen Biologen zu treffen, der auch aus eigener Erfahrung sprechen kann...)


Ich bin übrigens Biochemiker.
Macht das auf dem Arbeitsmarkt einen Unterschied oder gilt für alle Lebenswissenschaften das selbe?
 

pa-tent

*** KT-HERO ***
Ich bin übrigens Biochemiker.
Macht das auf dem Arbeitsmarkt einen Unterschied oder gilt für alle Lebenswissenschaften das selbe?

Ja, das macht einen Unterschied! An Biochemikern besteht ein größeres Interesse,
und es bietet sich ihnen ein größeres Einsatzgebiet. Wenn Du wirklich alle vorherigen
Threads durchgearbeitet hast, dann solltest Du das aber eigentlich schon gelesen haben.
In einem der Threads schrieb jemand über den mißlungenen Versuch, einen durch seine
Studienwahl in seiner Einsetzbarkeit stark eingeschränkten Biologen auf Biochemie-Sachen loszulassen.

Noch etwas zur Selbstdarstellung: Die Darstellung als Biowissenschaftler solltest
Du besser unterlassen. Das Wort Wissenschaftler könnte sonst dazu führen, dass man
Dich für einen Bewerber hält, der den Gegenstand der Anmeldungen deutlich über das
Erforderliche durchdenken und analysieren will.

Prinzipiell kann ich zur Beschäftigungslage von Biologen/Biochemikern/Biotechnologen
als Patentanwalt nur sagen, dass mir eigentlich aus den brauchbaren Kanzleien
nur völlig überlastete Kollegen aus diesem Bereich bekannt sind.
Da in diesen Studienbereichen im Durchschnitt
ziemlich gute Noten verteilt werden (angeblich hat mehr als die Hälfte eine Eins vor
dem Komma des Notendurchschnitts), sind die Eingangshürden für eine erfolgreiche
Bewerbung bei einer gut aufgestellten Kanzlei allerdings recht hoch:
- sehr guter Notendurchschnitt für das Studium
- ohne Promotion oder Post-Doc mit mehrjährigem Auslandsaufenthalt (bevorzugt USA)
geht nichts.
 

biowpa

Schreiber
Sehr hilfreich. Danke!

Aber steht diese Aussage
Einer meiner Kollegen der Fachrichtung Biologie hat mir erst kürzlich bestätigt, dass das Arbeitsgebiet doch relativ klein und die Nachfrage entsprechend gering ist.

nicht im Widerspruch zu dieser:
Prinzipiell kann ich zur Beschäftigungslage von Biologen/Biochemikern/Biotechnologen
als Patentanwalt nur sagen, dass mir eigentlich aus den brauchbaren Kanzleien
nur völlig überlastete Kollegen aus diesem Bereich bekannt sind.
?
 
Zuletzt bearbeitet:

Rex

*** KT-HERO ***
Aber steht diese Aussage

Einer meiner Kollegen der Fachrichtung Biologie hat mir erst kürzlich bestätigt, dass das Arbeitsgebiet doch relativ klein und die Nachfrage entsprechend gering ist.

nicht im Widerspruch zu dieser:

Prinzipiell kann ich zur Beschäftigungslage von Biologen/Biochemikern/Biotechnologen
als Patentanwalt nur sagen, dass mir eigentlich aus den brauchbaren Kanzleien
nur völlig überlastete Kollegen aus diesem Bereich bekannt sind.

Nein, überhaupt nicht. Es gibt eben Kanzleien, die viel zu tun haben (hier "brauchbar" genannt), und es gibt aber leider auch Kanzleien, die eher wenig zu tun haben.
 

Khisanth

SILBER - Mitglied
J
Prinzipiell kann ich zur Beschäftigungslage von Biologen/Biochemikern/Biotechnologen
als Patentanwalt nur sagen, dass mir eigentlich aus den brauchbaren Kanzleien
nur völlig überlastete Kollegen aus diesem Bereich bekannt sind.

Und Du findest, dass das eine ausreichende Datenbasis ist, um dem Kollegen zu suggerieren, dass er
aufgrund der derzeitigen Auftragslage die Ausbildung beginnen sollte? Nichts gegen Dich, aber ich frage nur kritisch, weil schon ein Kollege in einem anderen Thread behauptet hat, dass auch Biologen mit Kandidatenstellen "überhäuft" würden, und sich später als Ingenieur outete...

Abgesehen davon, dass zahlreiche Kollegen unabhängig von der Auftragslage stets den Eindruck
vermitteln, überlastet zu sein (was auch durch schlechte Kanzleiorganisation oder den Anspruch bedingt sein kann, dass man als Patentanwalt einfach überlastet zu sein hat), gibt es zahlreiche PAs mit biologischem/biochemischem Hintergrund, die nicht ausgelastet oder zu einem erheblichen Anteil fachfremd, d.h. überwiegend mit Markenangelegenheiten oder nichtbiologischen Anmeldungen beschäftigt sind. Dazu ist nicht einmal ein Blick über Süddeutschland hinaus notwendig.

Einen Unterschied zwischen Biologe/Biochemiker konnte man vielleicht noch vor 15 Jahren machen,
als nur vier Universitäten Biochemie mit einem extremen NC anboten und die Biochemiker in Chemie-
Klausuren regelmäßig besser abschnitten als die Diplom-Chemiker. Nachdem die MSc/BSc-Studiengänge in Biochemie derzeit wie Pilze an einem feuchten Sommertag aus dem Waldboden sprießen, würde ich eher für relevant halten, ob jemand unabhängig vom Abschluß Kenntnisse in organischer und physikalischer Chemie hat. Häufig angewandte Kriterien bei der Besetzung der wenigen Kandidatenstellen hat der Vorredner richtig genannt, ein Abschluß aus den USA, kompetetive Stipendien und vielleicht ein Nature-Paper gehören dazu.

Auch in Zukunft wird es Bedarf an Biologen/Biochemikern geben, sogar einige (sehr wenige) Stellen, für die spezielle biologische Kenntnisse notwendig sind, die Chemiker nicht haben, aber deren Zahl liegt gegenüber der der potentiellen Interessenten vielleicht im Promillbereich. Übrigens stammt ein erheblicher Teil der jüngst angebotenen Kandidatenstellen von einer Münchner Kanzlei, die einen Großteil der Kandidaten nach drei Monaten an die Luft setzt (ohne Erstattung der Umzugskosten:) und weit über den eigenen Bedarf ausbildet.

Lieber Fragesteller, mehr als vage Hinweise können wir Dir nicht geben. Wenn Du die Ausbildung aber ohnehin als "wertlos" betrachtest, sofern man Dir nicht gute Berufsaussichten garantieren kann, dann bist Du mit einer Postdoc-Stelle mit ziemlicher Sicherheit besser bedient.
 

pa-tent

*** KT-HERO ***
Und Du findest, dass das eine ausreichende Datenbasis ist, um dem Kollegen zu suggerieren, dass er
aufgrund der derzeitigen Auftragslage die Ausbildung beginnen sollte? Nichts gegen Dich, aber ich frage nur kritisch, weil schon ein Kollege in einem anderen Thread behauptet hat, dass auch Biologen mit Kandidatenstellen "überhäuft" würden, und sich später als Ingenieur outete...

Du interpretierst zuviel in mein Posting hinein: Ich habe dem möglicherweise zukünftigen
Kollegen überhaupt nichts suggeriert. Ich habe lediglich meine Beobachtung niedergeschrieben,
dass es den Bio-Kollegen aus meinem Umfeld nicht an Arbeit&Geld mangelt.
Dass ich mit dieser Beobachtung nicht eine "ausreichende Datenbasis" bereitstellen kann und will,
versteht sich wohl von selbst.

Als Ergänzung:
Es sollte auch klar sein, dass niemand die Beschäftigungslage in ca. 5 Jahren vorhersehen kann.
Dass die Zahl der zugelassenen Patentanwälte so stark ansteigen würde
(2002: ca. 2200; 2010: ca. 3000), wäre vor 10 Jahren als Spinnerei abgetan worden.


Abgesehen davon, dass zahlreiche Kollegen unabhängig von der Auftragslage stets den Eindruck
vermitteln, überlastet zu sein (was auch durch schlechte Kanzleiorganisation oder den Anspruch bedingt sein kann, dass man als Patentanwalt einfach überlastet zu sein hat), gibt es zahlreiche PAs mit biologischem/biochemischem Hintergrund, die nicht ausgelastet oder zu einem erheblichen Anteil fachfremd, d.h. überwiegend mit Markenangelegenheiten oder nichtbiologischen Anmeldungen beschäftigt sind. Dazu ist nicht einmal ein Blick über Süddeutschland hinaus notwendig.

Das stimmt. Mir sind auch einige fachfremd (wobei Markenangelegenheiten einem
European Trademark Attorney eigentlich nicht fachfremd sein sollten) beschäftigte
Kollegen bekannt. Diese haben sich ihr fachfremd beschäftigtes Dasein aber selbst
ausgesucht (z.B. durch die Wahl einer Ausbildungskanzlei in der Pampa, bei der von vornerein
feststand, dass es keine Bio-Patentsachen zur Bearbeitung geben wird). Es
gibt übrigens auch Ingenieure und Chemiker, die bevorzugt Markensachen bearbeiten.

Eine Schwierigkeit sehe ich für Biologen-PAs eher darin, sich durch Gründung einer
eigenen Kanzlei zu verselbstständigen, wie es aktuell bei Ingenieuren en vogue
ist (da passt das angeführte Bild "wie Pilze an einem feuchten Sommertag aus dem Waldboden sprießen"). Das Kollegenarbeitsmodell und die Auslagerung von Arbeit durch
Patentabteilungen, die einen Gründer in den ersten Jahren ernähren könn(t)en, scheinen
im Bio-Umfeld nicht zu existieren. Man ist als fertiger Bio-PA also in der Wahl seines
Arbeitsumfeldes stärker eingeschränkt als ein Ingenieur/Chemiker.

Übrigens stammt ein erheblicher Teil der jüngst angebotenen Kandidatenstellen von einer Münchner Kanzlei, die einen Großteil der Kandidaten nach drei Monaten an die Luft setzt (ohne Erstattung der Umzugskosten:) und weit über den eigenen Bedarf ausbildet.

Das dürfte für den Threadersteller eine hilfreiche Information darstellen.
Generell gilt sicherlich auch, dass die hohe Anzahl der Stellenanzeigen zur
Charakterisierung der Beschäftigungs- und Auslastungslage der Patentbranche
nur eingeschränkt taugt. So gibt es beispielsweise Kanzleien, die über Jahre hinweg
nur Kandidatenstellen und keine Angebote für PAs ausschreiben. Ein Schelm, wer Böses
dabei denkt.

Zu den Umzugskosten: Mir ist keine Kanzlei bekannt, die die Umzugskosten
eines Kandidaten oder Patentanwalts übernimmt. Aus Erzählungen ist mir
nur bekannt, dass einige Kandidaten das Arbeitsamt für die Erstattung
der Umzugskosten herangezogen haben (natürlich mit vorheriger
Arbeitslos-Meldung).
 
Zuletzt bearbeitet:

upupa

GOLD - Mitglied
Abgesehen davon, dass zahlreiche Kollegen unabhängig von der Auftragslage stets den Eindruck
vermitteln, überlastet zu sein (was auch durch schlechte Kanzleiorganisation oder den Anspruch bedingt sein kann, dass man als Patentanwalt einfach überlastet zu sein hat),...

Was hat das mit Biologen zu tun?

... gibt es zahlreiche PAs mit biologischem/biochemischem Hintergrund, die nicht ausgelastet oder zu einem erheblichen Anteil fachfremd, d.h. überwiegend mit Markenangelegenheiten oder nichtbiologischen Anmeldungen beschäftigt sind.

Seit wann sind Markenangelenheiten für einen Patentanwalt fachfremd?

Und was ändert es an den Aussichten, wenn man als Biologe mit nichtbiologischen Anmeldungen beschäftigt ist?

Einen Unterschied zwischen Biologe/Biochemiker konnte man vielleicht noch vor 15 Jahren machen,
als nur vier Universitäten Biochemie mit einem extremen NC anboten und die Biochemiker in Chemie-
Klausuren regelmäßig besser abschnitten als die Diplom-Chemiker.
Das ändert nichts daran, dass ein Biochemiker für die Bio-Anmeldungen im Allgemeinen mehr Fachwissen mitbringt als ein Zoologe, Botaniker, Verhaltensforscher oder Limnologe.

Häufig angewandte Kriterien bei der Besetzung der wenigen Kandidatenstellen hat der Vorredner richtig genannt, ein Abschluß aus den USA, kompetetive Stipendien und vielleicht ein Nature-Paper gehören dazu.

Wer bei einem Bewerbungsgespräch mit Papern und Stipendien Punkte sammeln will, hat meiner Meinung nach verloren. Der Job hier fordert doch gerade nicht den wissenschaftlichen Tiefgang. Ein Bewerber mit Nature Paper etc. sollte wirklich nochmal darüber nachdenken, ob er als Patentanwalt glücklich werden kann.

Lieber Fragesteller, mehr als vage Hinweise können wir Dir nicht geben

Wenigstens dem kann ich mich anschließen :)
 

pa-tent

*** KT-HERO ***
Wer bei einem Bewerbungsgespräch mit Papern und Stipendien Punkte sammeln will, hat meiner Meinung nach verloren. Der Job hier fordert doch gerade nicht den wissenschaftlichen Tiefgang. Ein Bewerber mit Nature Paper etc. sollte wirklich nochmal darüber nachdenken, ob er als Patentanwalt glücklich werden kann.

Hinsichtlich der Paper sehe ich das etwas anders. Veröffentlichungen mit Peer-Review-Verfahren
zwingen den Doktoranden dazu, seine neuartigen Ergebnisse verständlich, nachvollziehbar und
analytisch korrekt zu präsentieren. Derartige Argumentations- und Präsentationsfähigkeiten
sind in unserer Branche ja auch sehr hilfreich.
Bei einem promovierten Bewerber ohne Veröffentlichungen (in renommierten Kreisen!)
würde ich als Interviewer durchaus kritisch nach den Gründen nachfragen. Nicht dass
dann die Antwort kommt: "Nee, also die Schreiberei und Abstrahiererei bezüglich
meiner Messungen und Rumrührereien ist garnichts für mich".:)
Mich beeindrucken renommierte Veröffentlichungen eines Bewerbers jedenfalls mehr als
irgendwelche dahingerunzten Patentanmeldungen, die im Rahmen der "Forschungsarbeit"
eines Bewerbers entstanden sind. Der Gegenstand dieser Anmeldungen muss nicht mal
neu sein...
 

JBG

Schreiber
Ja, das macht einen Unterschied! An Biochemikern besteht ein größeres Interesse,
und es bietet sich ihnen ein größeres Einsatzgebiet.

Wieso söllte an Biochemikern größeres Interesse bestehen, als an Biologen (mit passendem Schwerpunkt)?
Bin zwar kein Patentanwalt, aber haben die nicht genau das selbe Anwendungsgebiet (mol. Biologie, Biotechnologie)?
 

pa-tent

*** KT-HERO ***

Khisanth

SILBER - Mitglied
Du interpretierst zuviel in mein Posting hinein: Ich habe dem möglicherweise zukünftigen
Kollegen überhaupt nichts suggeriert. Ich habe lediglich meine Beobachtung niedergeschrieben,
dass es den Bio-Kollegen aus meinem Umfeld nicht an Arbeit&Geld mangelt.
Das mag sein. Ich hatte nur das Gefühl, dass Deine Beobachtung in diesem Zusammenhang zur Verallgemeinerung einlud.

Eine Schwierigkeit sehe ich für Biologen-PAs eher darin, sich durch Gründung einer
eigenen Kanzlei zu verselbstständigen, wie es aktuell bei Ingenieuren en vogue
ist ... Das Kollegenarbeitsmodell und die Auslagerung von Arbeit durch
Patentabteilungen, die einen Gründer in den ersten Jahren ernähren könn(t)en, scheinen
im Bio-Umfeld nicht zu existieren.
Leider wahr. Die großen Unternehmen haben schon gefestigte Geschäftsbeziehungen zu etablierten Kanzleien oder eigene Patentabteilungen und beauftragen externe Anwälte möglichst nur in Ausnahmefällen, z.B. wenn man bei einem Einspruchsverfahren niemanden in der Abteilung hat, der ausreichend Erfahrung bei mündlichen Verhandlungen hat. Solche Aufträge bietet man natürlich keinem Neueinsteiger an.

Zu den Umzugskosten: Mir ist keine Kanzlei bekannt, die die Umzugskosten
eines Kandidaten oder Patentanwalts übernimmt.
Mir auch nicht. Ich wollte nur illustrieren, dass manche Kanzleien Kandidaten und fertige
Patentanwälte einstellen, obwohl sie von vornherein wissen, dass sie diese mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht lange beschäftigen werden und das mit diesem Gastspiel verbundene finanzielle Risiko vom Kandidaten zu tragen ist. Ein Umzug nach München für ein paar Wochen oder
Monate kann teuer werden, vom Ärger bei der Wohnungssuche und dem Karriereknick ganz zu schweigen.

Was hat das mit Biologen zu tun?
Seit wann sind Markenangelenheiten für einen Patentanwalt fachfremd?
Und was ändert es an den Aussichten, wenn man als Biologe mit nichtbiologischen Anmeldungen beschäftigt ist?

Markenangelegenheiten und nichtbiologische Anmeldungen sind für einen Bio-PA in dem Sinne fachfremd, dass sein technischer Hintergrund für deren Bearbeitung nicht erforderlich ist. Ein hoher Anteil solcher Arbeit zeigt zumindest näherungsweise, dass an der technischen Fachrichtung wenig Bedarf besteht, was mit den Berufsaussichten korreliert, nach denen gefragt worden war.


Das ändert nichts daran, dass ein Biochemiker für die Bio-Anmeldungen im Allgemeinen mehr Fachwissen mitbringt als ein Zoologe, Botaniker, Verhaltensforscher oder Limnologe.

Das würde ich nicht unterschreiben, zumal nicht jeder Biologe Zoologe, Botaniker, Verhaltensforscher oder Limnologe ist, sondern der überwiegende Teil der Interessenten für den PA-Beruf und der
Anwälte einen molekularbiologischen Hintergrund hat. Für molekularbiologische Themen halte ich
einen guten Biochemiker und einen guten Biologen für gleich qualifiziert. Einige sehr gute Biologen
arbeiten sich auch in chemische Sachverhalte ein, aber dafür bietet ein Grundstudium in Biochemie mit dem höheren Chemieanteil eine bessere fachliche Basis als eines der Biologie, Ernährungswissenschaften, molekularen Medizin oder was es mittlerweile sonst noch alles gibt...

Wer bei einem Bewerbungsgespräch mit Papern und Stipendien Punkte sammeln will, hat meiner Meinung nach verloren. Der Job hier fordert doch gerade nicht den wissenschaftlichen Tiefgang. Ein Bewerber mit Nature Paper etc. sollte wirklich nochmal darüber nachdenken, ob er als Patentanwalt glücklich werden kann.

Es ist Dein gutes Recht, das so zu sehen, aber die einstellenden Kanzleien, die für den Fragesteller relevant sind, sind anscheinend anderer Meinung. Vermutlich nicht zuletzt deshalb, weil grundsätzlich keine schlechtere Note als "sehr gut" in den Bio-Abschlußprüfungen vergeben wird und man nach irgendetwas differenzieren muss. Wenn jemand ein Nature-Paper und ein Stipendium hat, beweist das auch nicht unbedingt den wissenschaftlichen Tiefgang des Bewerbers, ist aber ein Indiz dafür, dass er gewisse Qualitäten bei der Selbstdarstellung, ein Gespür für Karriere und möglicherweise Ehrgeiz hat, und er ist auf der Kanzlei-Homepage präsentabel. Ist er publikationsfrei promoviert worden, beweist das nicht, spricht aber für schlechte Organisation und mangelnden Weitblick.
 

Blood für PMZ

*** KT-HERO ***
Erstmal danke für die Antworten und eure Geduld. (;


In habe die anderen Threads durchgelesen, allerdings waren dortige Aussagen oft etwas vage.

Ich verstehe, dass die Situation für Biologen schwieriger ist als für Chemiker.
Was ich wissen wollte, ist, ob man BioPA überhaupt realistische Chancen hat (oder ob man sich quasi sicher sein kann, eine völlig wertlose Ausblidung durchzumachen).
(Natürlich hatte ich auch gehofft, auf einen Biologen zu treffen, der auch aus eigener Erfahrung sprechen kann...)


Ich bin übrigens Biochemiker.
Macht das auf dem Arbeitsmarkt einen Unterschied oder gilt für alle Lebenswissenschaften das selbe?

Ich versuche mal, unserem Fragesteller biowpa zu verdeutlichen, warum wir uns hier auf hohem Niveau ereifern und uns nur darauf einigen können, dass wir nur "sehr vage" Aussagen über die essentielle Frage machen können, ob er eine möglicherweise "völlig wertlose Ausbildung durchmachen" soll."

Biochemie (ebenso auch Biologie) gehört nicht zu den vier mit Abstand häufigsten Studienrichtungen, die Patentanwälte vor ihrer Ausbildung gewählt hatten. Gefühlt nehme ich mal an, 1 % oder 2 % der Patentanwälte seien Biochemiker. Das sind dann etwa 30 oder 60 Kollegen.

Wie wir oben gelesen haben, haben einige davon wahnsinnig viel zu tun, einige wenig, einige sind brauchbar ausgelastet, etc. Sie decken den Markt offenbar ab. Man hört jedenfalls nichts über einen Erfindungsstau von nicht zu bearbeitenden Anmeldungen. Also ist die existierende Zahl so halbwegs passend zur Zahl der zugelassenen Kollegen.

Ein zugelassener Patentanwalt verbleibt im Schnitt 30 Jahre von der Zulassung bis zur Rückgabe derselben in der Patentanwaltschaft. Einige sind noch mit 80 am Schreibtisch, für andere endet das Berufsleben leider vor der Zeit und häufig auch am Schreibtisch. So kommen wir mühelos auf einen Ersatzbedarf von einem oder zwei Kollegen pro Jahr deutschlandweit. Vielleicht kommt bei einem rasant wachsenden Gebiet sogar noch ein Extrabedarf von einem weiteren Kollegen alle paar Jahre dazu.

Niemand von uns kann prognostizieren, ob im Ausbildungsjahrgang von biowpa nun unglücklicherweise gerade 5 weitere Patentanwaltskandidaten mit dem gleichen Profil sind und sich um die ein oder zwei frei werdenden Arbeitsplätze streiten oder ob er ebenso zufällig gerade der einzige ist und er in einigen Jahren die freie Wahl zwischen zwei oder womöglich drei Angeboten hat.

Da bleibt der Würfel oder besser noch ein Gespräch bei dem Kollegen, der auch das Institut betreut, in welchem biowpa gerade seine Dissertation schreibt oder als postdoc tätig ist. Der Kollege dürfte ja vom Fach sein.
 

pa-tent

*** KT-HERO ***
Biochemie (ebenso auch Biologie) gehört nicht zu den vier mit Abstand häufigsten Studienrichtungen, die Patentanwälte vor ihrer Ausbildung gewählt hatten. Gefühlt nehme ich mal an, 1 % oder 2 % der Patentanwälte seien Biochemiker. Das sind dann etwa 30 oder 60 Kollegen.

Ganz so rare Wesen sind diese Biologen/Biochemiker dann aber doch nicht...

Meine Auswertung der Zulassungszahlen ergibt folgende Übersicht.

PLZ-Bereich_Dipl.-Biol._Dipl.-Biochem.
_____0______2__________2
_____1______4__________3
_____2_____10__________2
_____3______1__________1
_____4_____11__________4
_____5______7__________2
_____6_____14__________3
_____7_____13__________1
_____8_____76_________30
_____9______1__________3
Summe:___139_________51
Gesamtsumme: 190
Anzahl der zugelassenen PAs: ca. 3000

Die obigen Zahlen enthalten keinen Abschlag für die seltenen Fälle
der Doppelgradträger (Dipl.-Biol. Dipl.-Biochem.). Andererseits fehlen auch
die PAs, die ihre wissenschaftliche Grundqualifikation im Ausland erworben
haben und somit keinen der o.g. akademischen Grade führen. Selbstverständlich
fehlen auch die Patentassessoren aus den Patentabteilungen.

Rufen wir jetzt nach der Ing./Physiker-Kandidatenschwemme eine
Bio-Kandidaten/PA-Schwemme aus? :)
 
Zuletzt bearbeitet:

Blood für PMZ

*** KT-HERO ***
@pa-tent:

Oha. Man sieht, es geht nichts über belastbare Ausgangsdaten. Meine Schätzung der Zahl der Biochemiker hat also ziemlich genau gestimmt (1,7 %), also auch die daraus gezogenen Folgerungen. Die Zahl der Biologen hätte ich jetzt nicht auf 139 (4,6 %) geschätzt. Wenn man bedenkt, dass es sogar rund 600 Bundestagsabgeordnete gibt, kann man sie gleichwohl noch zu den "raren Wesen" zählen.

Damit läge zwar nicht der Ersatzbedarf an Biochemikern, aber der an Biologen doch bei 4 bis 5 pro Jahr. Ob man dann ab etwa 7 oder 8 fertig werdenden Kandidaten im Jahr von einer Schwemme sprechen kann ... :) Unser Ausgangsfragesteller ist allerdings Biochemiker ....

Aber egal: biowpa wird seine eigenen Hochrechnungen anstellen und dabei sicher auch die von Dir gegebene regionale Verteilung berücksichtigen (wir wissen ja nicht, ob er örtlich festgelegt ist, und gegebenfalls wo). Meine Empfehlung bleibt nach wie vor stehen.
 

biowpa

Schreiber
Vielen dank für eure Hilfe!

Für Biologen scheint der Weg zum PA ja ziemlich steinig zu sein.
Sobald ich weitere Erfahrungen gesammelt habe, werd ich mich nochmal melden...
 
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