Allg. Kandidatenschwemme

HalloWelt

Schreiber
Hallo zusammen,

ich bin derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter (Elektrotechnik) angestellt und tendiere sehr dazu, mich danach um eine Patentanwaltsausbildung zu bemühen.
Ein gewisser Sorgenpunkt ist dabei die konstant steigende Anzahl von Patentanwälten in Deutschland.

Ich verfolge dieses Forum heimlich schon seit Ende meiner Masterarbeit und habe des Öfteren den Term "Kandidatenschwemme" gelesen. Ich weiß, dass die Übernahme in eine Kanzlei nach der Übernahme eher selten ist, aber als Außenstehender fällt es mir schwer einzuschätzen, wie derzeit die Chancen als neuer Kandidat/Anwalt stehen eine gute Stelle zu finden, bzw. ob man einfach nur auf einen überfüllten Markt geworfen wird.

Sind das realistische Sorgen oder bin ich etwas übervorsichtig?

Zusätzlich, wenn ich hier eh schon am Posten bin:

Man braucht ja für den Ausbildungsbeginn ein "Zulassungsgesuch an den Präsidenten des Deutschen Patent- und Markenamts" (zumindest, wenn ich das alles richtig verstehe). Während es sich dabei ja um eine bloße Formalie zu handeln scheint, bin ich mir nicht ganz sicher, ob es üblich ist, sich darum eigenständig im Vorfeld zu bemühen oder ob das zum Teil vom Ausbilder geregelt wird, wenn man eine Zusage hat.

Vielen Dank im Voraus!
 

STRM

Schreiber
Hallo HalloWelt,

Du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Der Arbeitsmarkt für PA in DE ist gut und ich glaube nicht, dass sich das allzu bald ändert.

Ich habe mir tatsächlich aufgrund dieses Forums ähnliche Gedanken gemacht, bevor ich 2016 die Ausbildung gemacht habe. Sobald ich dann aber in der Patentwelt war, habe ich festgestellt, wie weit das doch von der Realität entfernt ist. Klar, es ist sicherlich etwas schwieriger geworden als in den "alten Zeiten", aber der Markt ist weiterhin eindeutig ein Arbeitnehmermarkt. Wenn Du den Job grundsätzlich interessant findest und bereit bist, die relativ lange und auch anstrengende Ausbildung auf dich zu nehmen, dann solltest Du das machen. Übrigens ist Elektrotechnik wohl der Bereich mit dem größten Bedarf an neuen Patentanwälten und Patentanwältinnen.

Woher hast Du denn, dass die Übernahme nach der Ausbildung in Kanzleien selten sei? Also ich kenne viele, die in ihrer Kanzlei geblieben sind und auch viele, die selber beschlossen haben, das Angebot ihrer Ausbildungskanzlei auszuschlagen und woanders weiterzumachen.

Fazit: Wichtig ist, ob Du Lust auf den Job und die Ausbildung hast. Der Arbeitsmarkt wird dir dann nicht im Weg stehen.
 

DMX

Vielschreiber
Dem Vorredner STRM kann ich mich nur anschließen. Die goldenen Zeiten vor dem Londoner Agreement (welches viele Übersetzungserfordernisse abgeschafft hat) mögen ja vorbei sein, aber schlecht geht es in dem Beruf immer noch keinem. In letzter Zeit haben zwei Kollegen meine ehemalige Ausbildungskanzlei verlassen... bei beiden bestand die ganze "Jobsuche" darin, bei LinkedIn den Beruf zu aktualisieren, eine Zeit lang die Vernetzungsangeboten von Recruitern anzunehmen, sich die Angebote anzuhören und dann das beste zu nehmen.

Was sich mMn eher ändert, sind die Kanzleistrukturen - die kleinen Kanzleien werden durch immer größere, teils internationale Kanzleien verdrängt, und die klassische Freiberufler-Kanzlei weicht immer mehr der Partnerschafts-mbB und anderen Angestelltenverhältnissen. Aber für beides wird es nach wie vor Nischen geben, und an den grundsätzlichen Rahmenbedingungen ändert es wenig (auch Angestellte können meist Homeoffice machen, sich die Zeit frei einteilen etc.).

Was dein Zulassungsgesuch betrifft - das kannst du gar nicht vor einer Zusage proaktiv angehen, da dem Gesuch eine "Erklärung des ausbildenden Patentanwalts/der ausbildenden Patentanwältin oder eines Unternehmens" beiliegen muss ;). In manchen Kanzleien werden die Kandidaten tatsächlich nach Zusage, aber vor Arbeitsbeginn zur Ausbildung gemeldet, in den meisten Fällen erst nach einiger Zeit in der Kanzlei (z.B. mit Ablauf einer 6-monatigen Probezeit). Also kann ich dich beruhigen - am Zulassungsgesuch wird die Ausbildung sicher nicht scheiten, eher an der Motivation oder an der grundsätzlichen Eignung. Und da bei dir die Lust auf den Job und die Bereitschaft zur Ausbildung vorhanden zu sein scheinen, kannst du dich auf die Stellensuche konzentrieren - das administrative Drumherum lässt sich nach und nach klären/erledigen.

Übrigens hast du sicher anderweitig hier im Forum auch schon gelesen, dass einige Tage Schnupperzeit in einer Kanzlei oder zumindest das Buch "Perspektive Patentanwalt" dir zu einem klareren Bild verhelfen, was dich erwartet.

Viel Erfolg!
 

HalloWelt

Schreiber
Vielen Dank für die Antworten, das hat mir sehr geholfen!

Ich hatte ohnehin vor mal zu versuchen in eine Kanzlei reinzuschnuppern. Das Buch hatte ich allerdings noch nicht auf dem Schirm. Ich werde es mir zulegen. Vielen Dank für die Empfehlung.
 

kronion

GOLD - Mitglied
In manchen Kanzleien werden die Kandidaten tatsächlich nach Zusage, aber vor Arbeitsbeginn zur Ausbildung gemeldet, in den meisten Fällen erst nach einiger Zeit in der Kanzlei (z.B. mit Ablauf einer 6-monatigen Probezeit).
Zu dem Thema würde ich schon im Vorstellungsgespräch nachfragen - so zeigst Du auch gleich, dass Du gut vorbereitet bist. Ich habe von etwas seltsamen Modellen gehört, wo die Anmeldung (für die deutsche und/oder europäische Ausbildung) erst recht spät erfolgte. Das sollte man - meiner bescheidenen Meinung nach - als Bewerber nicht akzeptieren, weil es den Weg zur bestandenen Prüfung unsinning verlängert.
 
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