Gendergerechte Sprache in Komm. mit Amt und Gerichten

NiceGuyEddie

BRONZE - Mitglied
Hallo zusammen,

das DPMA schreibt immer häufiger in gendergerechter Sprache, verwendet Begriffe wie "Fachfrau" und dekliniert Genera.

Zitat DPMA:

"Bei dem zuständigen Fachmann bzw. der zuständigen Fachfrau handelt es sich vorliegend um einen Ingenieur oder eine Ingenieurin der Fachrichtung"

Wie handhabt ihr das in Euren Schriftsätzen? Bleibt ihr beim generischen Maskulinum?

Freue mich auf Eure Antworten, danke!

LG
NiceGuyEddie
 

elgordo

Schreiber
Hallo Eddie,

ich halte gendergerechte Sprache für sinnvoll und glaube, sie sollte in vielen Fällen angewendet werden. Es gibt aber auch Fälle, wo gendergerechte Sprache Sätze stark verkompliziert oder eine Aussage verschleiert und ich dann eher von der Verwendung Abstand halte.
Der Begriff "Fachfrau" ist zwar noch weniger üblich, aber meiner Ansicht nach nicht weniger verständlich als "Fachmann". Wenn beispielsweise jemand vom DPMA selbst diesen Begriff verwendet, könnte man auch darauf eingehen. Im Erteilungsverfahren kann etwas Diplomatie manchmal erstaunlich hilfreich sein. Durch Verwendung gemeinsamer Sprache lässt sich Verständnis signalisieren, was in manchen Fällen gewollt sein kann.

Der Fachmann ist jedoch ein juristischer Begriff, der sogar sehr prominent in §1 PatG eingeführt wird. Ein Begriff wie "Fachfrau" ist außerdem ebenfalls nicht genderneutral. Ich verwende stattdessen regelmäßig, aber fallabhängig den Begriff "Fachperson", der sowohl genderneutral ist und den Fachmann einschließt.
 

patatx

BRONZE - Mitglied
Gerade bei juristenähnlichen Berufen, bei denen die Sprache quasi das Hauptwerkzeug ist, sollte man beim allgemeinen Konsens bleiben und das Werkzeug pflegen. Die deutsche Sprache ist ganz cool und ermöglicht einem viel, sodass man diese Präzision nicht mit modischem Firlefanz zerstören sollte. Das ist für uns halt der Duden bzw. dessen Konsens.

Ich habe überhaupt nichts dagegen irgendwann oder von mir aus auch ab Morgen "die Fachfrau" zu schreiben, so wie ich oft zB "die Blume" sage/schreibe, aber wir sollten uns fern halten von unverständlichen Formulierungen, wie zB die Fachmann*_/Innen oder diesen ewigen Doppelnennungen, wie zB Bürger und Bürgerinnen etc.

Das gilt natürlich nur im Abstrakten. Wenn ich jemanden/frau persönlich anspreche, dann bezeichne ich es/ihn/sie natürlich nach ihrem/essen/sieem Geschlecht. Soweit jedenfalls meine Meinung.
 

Stefan0xff

Schreiber
Ich habe schon mal die Formulierung "Fachperson" in Urteilen gelesen. Soweit ich gehört habe soll der BGH diese Wortwahl wohl auch seit einiger Zeit begrüßen (keine Garantie!).
 

NiceGuyEddie

BRONZE - Mitglied
Guter Hinweis, danke.

BGH, Urteil vom 28.01.2021 - X ZR 178/18 verwendet Fachperson.

Dann werde ich mich im Zweifel daran orientieren.

Passt auch zur Person skilled in the art.

LG
NGE
 

patachon

SILBER - Mitglied
Gerade bei juristenähnlichen Berufen, bei denen die Sprache quasi das Hauptwerkzeug ist, sollte man beim allgemeinen Konsens bleiben und das Werkzeug pflegen. Die deutsche Sprache ist ganz cool und ermöglicht einem viel, sodass man diese Präzision nicht mit modischem Firlefanz zerstören sollte. Das ist für uns halt der Duden bzw. dessen Konsens.

Alle Geschlechter mit einbeziehen ist halt kein "modischer Firlefanz", sondern überfällige Veränderung. Tatsächlich gibt es aber noch keinen endgültigen Konsens; dennoch nennt der Duden, soweit wir den als allgemeinen Konsens sehen, gerade die Doppelnennung z.B. üblich. Dazu scheint es sogar eine amtliche Regelung zu geben, wie die Doppelnennung auzusehen hat. https://www.duden.de/sprachwissen/sprachratgeber/Geschlechtergerechter-Sprachgebrauch

Fachperson finde ich gut. Klar ist der Fachmann der historische Begriff, aber deshalb noch lange nicht sinnvoll. Und solange ich als Frau, mit weiblichem Vornamen und offensichtlich weiblichem Bild auf der Kanzleihomepage weiterhin in 50% aller Mails von außen ganz selbstverständlich mit "Herr ..." angesprochen werde, weil das offenbar in den Köpfen im Bereich Technik einfach so drin steckt, ist ein bisschen Aufmerksamkeit und Veränderungswille in Bezug auf die Sprache kein Fehler. Tatsächlich habe ich bisher selbst auch immer Fachmann geschrieben, einfach aus Gewohnheit. Nehme mir vor, das zu ändern.

(PS: ich selbst hielt das auch lange für unnötig und habe mich z.B. immer bei "den Physikern" mit angesprochen gefühlt. Allerdings ist mir irgendwann aufgefallen, wie häufig ich bei Nennung der rein männlichen Form eben doch davon ausgehe, dass es sich um einen Mann handelt, gerade bei Berufsbezeichnungen oder immer dann, wenn das Klischee sowieso schon in eine Richtung tendiert. Das ist ja auch inzwischen recht ausführlich nachgewiesen, dass diese unbewussten Bilder im Kopf viel mit der Sprache zu tun haben, angefangen bei Kindern. Aktiv die Sprache zu verändern, auch wenn das zunächst ungewohnt scheint, kann dann eben auch wieder eine Rückkopplung bewirken.)
 

Fragender

GOLD - Mitglied
Fachperson finde ich gut. Klar ist der Fachmann der historische Begriff, aber deshalb noch lange nicht sinnvoll.

Der "Fachmann" ist vor allem der Begriff im Gesetzestext, deshalb scheint auch der BGH ihn weiterzuverwenden (nach den 3 oder 4 Ausnahmen letztes Jahr).

Ich behelfe mir, indem ich regelmäßig definiere: "Der Fachmann ist eine Ingenieurin oder ein Ingenieur ...", um klarzumachen, dass das ein juristischer Begriff ist und daher nicht mit der (heutigen) Realität übereinstimmt.

Ich persönlich frage mich auch, was die im Justizministerium so treiben, wenn zwar im gesamten PatG "Patentamt" durch "Deutsches Patent- und Markenamt" ersetzt wird, nicht aber der Fachmann korrigiert (und auch nicht "Patentgericht" durch "Bundespatentgericht" ersetzt...)?

Im Übrigen hat ja die japanische Sprache "kein grammatisches Genus (Geschlecht), keine Artikel und keinen Plural" (vgl. Wikipedia) und trotzdem ist Japan mit der Gleichberechtigung wohl kein Vorbild - ich bin mir daher nicht sicher, ob das Ändern der Sprache viel hilft...
 
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