Einstieg in die Patentanwaltsausbildung im Life Sciences Bereich – Master ausreichend oder besser Promotion?

Nik_Las

Schreiber
Hallo zusammen,

ich lese hier schon seit einiger Zeit mit und hätte ein paar Fragen an diejenigen, die als Patentanwälte oder Patentanwaltskandidaten im Bereich Life Sciences tätig sind.

Kurz zu meinem Werdegang:
  • 2019: Abschluss der Ausbildung zum Patentanwaltsfachangestellten
  • 2019–2022: Vollzeit als Patentanwaltsfachangestellter in einer Patentanwaltskanzlei
  • Seit Oktober 2022: Werkstudent als Patentanwaltsfachangestellter
  • April 2026: Bachelorabschluss Biologie LMU
  • Ab Oktober 2026: Master Molekulare Biotechnologie (parallel weiterhin Werkstudent)
Der Beruf des Patentanwalts war für mich eigentlich seit Beginn meines Studiums mindestens eine Option. Durch meine bisherige Tätigkeit kenne ich den Beruf bereits von der praktischen Seite und möchte nach dem Studium möglichst in die Patentanwaltsausbildung einsteigen.

Mich beschäftigen aktuell vor allem folgende Fragen:

1. Fachliche Ausrichtung

Ich interessiere mich besonders für gentechnisch veränderte Nutzpflanzen sowie allgemein für CRISPR/Cas-Verfahren und moderne Genome-Editing-Technologien. Ist eine Spezialisierung in diesem Bereich aus heutiger Sicht sinnvoll bzw. gefragt/zukunftsfähig? Oder würdet ihr den Einstieg im Bereich Life Sciences eher breiter anlegen?

2. Master oder Promotion?

Mit Beginn des Masters werde ich 27 Jahre alt und nach dem Abschluss vermutlich 29 oder 30 sein.

Immer wieder liest man, dass im Life Sciences Bereich eine Promotion praktisch vorausgesetzt wird. Ist das aus eurer Sicht tatsächlich so? Oder kann man auch mit einem Masterabschluss als Patentanwaltskandidat erfolgreich einsteigen und später als Patentanwalt ernst genommen werden?

Falls eine Promotion tatsächlich nahezu unverzichtbar sein sollte, würde ich die Patentanwaltsausbildung erst mit etwa 34 Jahren beginnen. Das erscheint mir persönlich recht spät.

Soweit ich weiß, besteht außerdem die Möglichkeit, zunächst eine Promotion zu beginnen und nach etwa zwölf Monaten in die Patentanwaltsausbildung zu wechseln, sodass das erste Jahr auf das praktische Jahr angerechnet werden kann. Hat jemand diesen Weg gewählt oder Erfahrungen damit gemacht? Wie wird ein solcher Wechsel von Kanzleien wahrgenommen?

Wie schätzt ihr die verschiedenen Optionen insgesamt ein?

3. Erfahrungen mit Masterabschluss

Gibt es hier Patentanwälte oder Patentanwaltskandidaten aus dem Bereich Life Sciences, die ohne Promotion, also "nur" mit einem Masterabschluss, eingestiegen sind? Wie waren eure Erfahrungen bei der Stellensuche und im späteren Berufsalltag? Hattet ihr das Gefühl, gegenüber promovierten Kollegen Nachteile zu haben?

Ich freue mich über alle Erfahrungsberichte und Einschätzungen. Vielen Dank schon einmal!

MfG Niklas
 
Zuletzt bearbeitet:

Asdevi

*** KT-HERO ***
Ich bin selbst im Life-Science-Bereich und kenne keinen Kollegen ohne Promotion.

Hierbei spielt auch mit rein, wie du ja schon anklingen lässt, dass man anders schwer an sein praktisches Jahr kommt. Was willst du sonst machen, wenn nicht promovieren? Ist der Arbeitsmarkt in der Industrie gerade so, dass man als Master in Molekularbiologie einen Job kriegt?

Auch ist zu bedenken, dass 1 Jahr Promotion für das praktische Jahr nicht ausreichen dürfte, da man dem DPMA nicht verklickern kann, dass man während seiner Promotion nichts anderes als praktische Laborarbeit in Vollzeit gemacht hat. Bei einer abgeschlossenen Promotion von 3 Jahren oder mehr stellt das DPMA keine Nachfragen, aber wenn man nach 12 Monaten abbricht und dann das praktische Jahr anerkannt haben will, wird das zumindest sehr genau geprüft werden.
 

Nik_Las

Schreiber
Was willst du sonst machen, wenn nicht promovieren? Ist der Arbeitsmarkt in der Industrie gerade so, dass man als Master in Molekularbiologie einen Job kriegt?

Auch ist zu bedenken, dass 1 Jahr Promotion für das praktische Jahr nicht ausreichen dürfte, da man dem DPMA nicht verklickern kann, dass man während seiner Promotion nichts anderes als praktische Laborarbeit in Vollzeit gemacht hat.
Vielen Dank für die schnelle Antwort.

Ich lese das so, dass allein die geringe Aussicht auf eine Anstellung mit einem Masterabschluss eine Doktorarbeit alternativlos werden lässt. Ist das tatsächlich der Fall oder ist eine Doktorarbeit auch aufgrund von Tiefenverständnis und Spezialisierung in diesem Fachgebiet notwendig? Als Patentanwalt arbeitet man ja letztendlich doch oft mit Anmeldungen, die weit über das Themengebiet der eigenen Dissertation hinausgehen oder nur peripher etwas damit zu tun haben (?).

Wäre im Fall einer Doktorarbeit das fortgeschrittene Alter dann ein Kriterium?
 

simplypatents

Schreiber
Hallo,

ich bin ebenfalls im LifeScience-Bereich, jedoch ohne Promotion, sprich mit Masterabschluss, eingestiegen.

Für mich kam die Promotion aus mehreren Gründen nicht in Frage.
Bei den Bewerbungsgesprächen wurde das zwar angesprochen, aber ein Kriterium für den Ausschluss war das nicht.

Letztenendes dient eine Promotion sowohl der Vertiefung in der wissenschafltichen Arbeitsweise als auch der Spezialisierung in einem Fachgebiet.
Die Arbeit mit Patenten hat mir bislang keine Probleme bereitet, auch nur mit Masterabschluss.
Die Anmeldungen kommen aus unterschiedlichen Bereichen im LifeScience-Bereich, weshalb mir mein breiter Hintergrund, welchen ich sowohl neben der Uni als auch danach im Job, erworben habe, ausgereicht hat.

Das Thema Promotion ist ein Thema für sich, würde ich sagen.
Wenn du für die Art der Arbeit und das Thema motiviert bist, spricht nichts gegen eine Promotion.

Da viele Kandidaten eine Promotion hinter sich haben, sind die meisten in einem 'fortgeschrittenerem' Alter.
Das Alter sollte jedoch keine Rolle spielen. Das DPMA sortiert zumindest nicht danach.

Ansonsten geht es auch ohne Promotion :)

Auch sollte auch klar sein, wie du dein praktisches Jahr vor und für die Kandidatur verbracht hast.

VG
 

Nik_Las

Schreiber
Die Anmeldungen kommen aus unterschiedlichen Bereichen im LifeScience-Bereich, weshalb mir mein breiter Hintergrund, welchen ich sowohl neben der Uni als auch danach im Job, erworben habe, ausgereicht hat.
Hey, vielen Dank für die Antwort.

Darf ich fragen, wie du dein Praktisches Jahr verbracht hast? Und war es wirklich nur ein Jahr?

Das Thema Promotion ist ein Thema für sich, würde ich sagen.
Wenn du für die Art der Arbeit und das Thema motiviert bist, spricht nichts gegen eine Promotion.
Das ist eben ein sehr guter Punkt. Ich bin einer Promotion keineswegs abgeneigt, wenn ich eben etwas finde, für das ich brenne. Wenn dem aber nicht so ist, wäre es nützlich zu wissen, ob ich mich dann für etwaige Ein- bzw. Aufstiegschancen trotzdem dazu bringen muss.

LG
 
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