Allg. Zweite Fremdsprache?!

smaica

Vielschreiber
Hallo,

ich wollte mal an die erfahreneren im Forum die Frage stellen, wie hoch ihr die Bedeutung der Beherrschung einer zweiten Fremdsprache (neben Englisch) für die Bewerbung in Kanzleien (zur Ausbildung oder später als ausgebildeter Patentanwalt) einschätzt?
Ich beherrsche nur zwei weitere Fremdsprachen in den Grundkenntnissen, habe aber noch ein wenig Zeit bis bei mir die Suche nach einer Ausbildungsstelle losgeht und könnte daher eine der beiden noch vertiefen, sollte dies notwendig sein.

Vielen Dank für eure Ratschläge,
smaica
 

arcd007

*** KT-HERO ***
Hi,

in den meisten Kanzleien ist gutes Englisch unverzichtbar in Schrift (englische Verträge studieren, Korrespondenz mit ausländischen Kanzleien und Mandanten, Vorträge, Ausarbritung von englischensprachigen Anmeldeunterlagen, Einsprüche gegen europ. Patente, etc.) und Wort (Telefonate mit ausländischen Kollegen, SmallTalk bei Besuchen von oder bei ausländischen Kollegen, Vorträge, mündlichen Verhandlungen, etc.).

Französisch ist nett, da freuen sich Kollegen der Grande Nation und ggf. auch bei Mandanten in der franz. Schweiz oder Frankreich. Abundzu bekommt man auch mal eine französische Entgegenhaltung, die man studieren darf, aber das ist eher selten.

Spanisch ist nett, spielt aber kaum eine Rolle.

Japanisch oder Chinesisch kann für die Kanzlei interessant sein, dann aber auf einem halbwegs "verhandlungssicheren" Level.

Ansonsten kann natürlich jede behrrschte Sprache die Korrepondenz mit ausländischen Anwälten oder Mandanten in dem/den jeweiligen Ländern der Sprache vereinfachen...hab mich auch schon mit einer Inderin auf Spanisch statt auf Englisch unterhalten...;)

Ciao

arcd007
 
Zuletzt bearbeitet:

smaica

Vielschreiber
Vielen Dank arcd007 für deine ausführiliche Antwort.

Habe ich dich richtig verstanden, dass eine zweite (fließend gesprochene) Fremdsprache zwar ein "Bonus" ist, aber keinesfalls notwendig? Erst recht nicht, wenn es sich um weniger "interessante" Sprachen für die Kanzlei handelt wie Italienisch oder andere weniger gesprochene Sprachen (nur zur Sicherheit: damit will ich diese Sprachen in keinster Weise abwerten).

Grüße
smaica
 

pa-tent

*** KT-HERO ***
Hallo smaica,

ich glaube, Du machst Dir etwas zu viele Gedanken bezüglich der Bewerberei
und Deiner Qualifikationen. Bewirb Dich doch einfach mal auf eine Stellenanzeige
im Kandidatentreff und teste die Reaktion!

Fachlich wirst Du mit Deinem "Meteorologie" keine Begeisterungsstürme ernten.
Deine potentiellen Arbeitgeber werden wahrscheinlich Dipl.-Ings. und/oder Dr. rer. nat. der Physik
sein und eine Ähnlichkeit zu ihrem akademischen Werdegang begrüßen. In meiner
Ausbildungskanzlei stießen Physiker mit Astronomiehintergrund, Brauereiwissenschaftler
und Argarwissenschaftler generall auf Ablehnung, obwohl sie vom technischen
Grundlagenwissen (mehr ist häufig nicht erforderlich) sicherlich einsetzbar gewesen wären.

Du wirst sicherlich eine Kandidatenstelle finden. Ob Du mit der Kanzlei
dann dauerhaft zufrieden sein wirst, wirst Du erst in ca. 3-5 Jahren abschätzen können.

Als Warnung: Es gibt Kanzleien, die stellen jeden Bewerber ein. Wie der Bewerber nach
der Kandidatenzeit seine Brötchen verdienen soll, ist diesen Arbeitgebern egal.
Das Problem dabei: Diese Kanzleien erkennt man erst, wenn es schon zu spät ist.

Als Entwarnung: Fremdsprachentechnisch zählt nur Englisch, sonst nichts.
Ausnahmen mögen möglich sein, z.B. Französisch bei einer Kanzlei in FR-Grenznähe.
Fürs eigentlich Patentwesen sind die südeuropäischen Sprachen aber irrelevant.
Wenn Du als Bonus andere Fremdsprachen hervorhebst, wirst Du höchstens
ein müdes Lächeln ernten. Und bezüglich Japanisch und Chinesisch habe
ich es schon (als Beobachter) erlebt, dass das eher ein Malus ist, da es
nicht in die Kanzleiabläufe reinpasst. Wie bitte schön soll Dein Ausbilder
Schriftsätze in einer derartigen Sprache verstehen? Und die Mandantenabwerbegefahr
auf Sicht von einigen Jahren nach bestandener Prüfung wäre zu hoch.

Viel Erfolg bei der Suche und/oder vielmehr einen wachen Geist beim Prüfen der angeblichen
Chancen in dieser Branche!
 

Blood für PMZ

*** KT-HERO ***
Hallo smaica,

Das Thema ist hier schon des Öfteren diskutiert worden, beispielsweise in einem am 14.11.2012 von misterniceguy eröffneten Thread. Wäre übrigens interessant zu erfahren, was denn nun aus seiner Bewerbung mit den Fremdsprachenkenntnissen geworden ist, man hört später leider wenig von den Fragestellern.

Es gibt aber noch mehr Beiträge zu diesem Aspekt unseres Berufs.

Ansonsten: Es ist wie überall sonst auch im Berufsleben. So gibt es etwa eine Handvoll Patentanwaltsbüros in DE, für die sind russische Sprachkenntnisse essenziell. Die Mandanten erfordern das. Da hast Du "ohne" eigentlich keine Chance. Oder eine kleine, wenn sich niemand "mit" bewirbt. In so ziemlich allen anderen Kanzleien genügt es zu wissen, dass Gazprom der Sponsor von Schalke 04 ist.

Es gibt Kanzleien mit nennenswerter französischsprachiger Mandantschaft, etwa im deutschfranzösischen Grenzgebiet, aber auch in München. Da hast Du mit entsprechenden Sprachkenntnissen einen klaren Vorteil gegenüber Mitbewerbern um eine Kandidatenstelle. Der Mehrzahl der Büros wie etwa dem von arcd007 ist es eher egal oder man betrachtet die Kenntnisse des Kandidaten dann als erfreuliche Zutat. Eine französische Freundin hätte aber auch gereicht. Für die EQE sind zumindest passive schnelle Lesefähigkeiten französischer Texte von eindeutigem Zeitvorteil. Es gibt auch technische Fachgebiete mit vielen französischsprachigen Entgegenhaltungen (und Gegnern mit ebensolchen Schriftsätzen natürlich (;-)).

Falls Du diese oder andere Sprachkenntnisse hast, kannst Du ja mal schauen, ob Du sie ein bisschen ausbauen oder jedenfalls entrosten kannst, schon um die eigene Lernfähigkeit für fremdartige Strukturen wieder anzukurbeln: im gewerblichen Rechtsschutz gibt es da so ganz merkwürdige Dinge, die man ohne entsprechende kindliche Lernfähigkeit doch unverständlich finden wird ....

Frohes Schaffen

Blood für PMZ
 

SR89

Schreiber
In der Prüfung zum European Patent Attorney werden die Unterlagen in Deutsch, Englisch und Französisch bereit gestellt. Meine Französischkentnisse sind aber noch auf Grundniveau.
Sind gute Französischkentnisse essentiell um die Prüfung zu bestehen?
 

ip_kandidat

GOLD - Mitglied
In der Prüfung zum European Patent Attorney werden die Unterlagen in Deutsch, Englisch und Französisch bereit gestellt.
Ja, aber hierbei handelt es sich redundant um die gleichen Unterlagen. Es kann also nach Belieben zwischen den drei Sprachen gewählt werden.
Sind gute Französischkentnisse essentiell um die Prüfung zu bestehen?
Nein. Früher gab es einige Entgegenhaltungen bspw. nur auf Französisch und andere nur auf Deutsch. Soweit ich weiß, wurde diese Prüfungspraxis vor einiger Zeit abgeschafft. In jeder der drei Sprachen stehen die vollständigen Unterlagen zur Verfügung.
 
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