KI-Tools bei der Patentarbeit - Empfehlungen?

Kandidat1985

Vielschreiber
Liebe Kollegen,

ich interessiere mich für KI-Tools, die die patentanwaltliche Tätigkeit erleichtern können und wollte mich umhören, welche KI-Tools in Patentanwaltskanzleien verwendet werden? Könnt ihr bestimmte KI-Tools empfehlen, zum Beispiel zum Draften von Ansprüchen und Anmeldetext oder zum Beantworten von Prüfungsbescheiden oder zur Patentrecherche oder FTO?

Besten Dank.

Mit freundlichen Grüssen,
Kandidat1985
 
Hallo Kandidat1985,

ich habe mir die Möglichkeiten von Patentmaker bereits angesehen. Hier ist es möglich, Ansprüche und Beschreibungen erstellen zu lassen. Auch von Claimwise habe ich gehört. Jedoch möchte ich mich dem Blogbeitrag zum Thema KI anschließen: https://kandidatentreff.de/2026/02/einsatz-von-ki-in-der-patentbranche/. Letzten Endes wird es schwierig und/oder kostspielig sein, die Software derart anzupassen, zu verwalten und zu aktualisieren und dabei einen anwaltlichen oder kanzleieigenen Draftingstil umzusetzen. Zudem entsteht eine enorme systemische Abhängigkeit von solchen Softwareanbietern. Standardmaschinen können all dies bereits umsetzen, sofern man geübt im Prompt Engineering ist. Diese Fertigkeit sollte man nicht outsourcen.
 

MichaelW

Schreiber
Hallo Kandidat1985,
ich kann mich dem Vorschlag des Vorredners nicht anschließen. Die Verwendung von LLM-"Standardmaschinen" stellt ein für Patentanwälte in der EU sehr relevantes Datenschutzproblem dar, da die Verarbeitung in fast allen Fällen in den USA oder sogar völlig unbekannten Nicht-EU-Ländern erfolgt sowie häufig durch US- oder CN-Unternehmen erfolgt, selbst wenn die Option, dass Daten nicht zum Training verwendet werden, aktiviert ist. Der von CommonIPEngineer verlinkte Beitrag scheint von jemandem aus UK verfasst worden zu sein, wo sich vielleicht eine andere Situation ergeben mag, auch wenn ich nicht erkennen kann, weshalb patentanwaltliche Anforderungen an notwendigem Datenschutz gesetzlich herabgesenkt sein sollten oder könnten.

Diese Situation ist übrigens auch in der Schweiz als Nicht-EU-Land besonders relevant, da dort einige Datenschützer sogar schon die Verwendung von Microsoft Office 365-Lösungen durch schweizerische Behörden als sehr kritisch beurteilen. Dann muss das für Patentanwälte, die regelmäßig mit hochsensiblen Daten zu tun haben, umso mehr gelten.

Ein Ausweg aus dieser Problematik kann sich vielleicht zukünftig durch selbst lokal betriebene und entsprechend abgesicherte LLMs ergeben. An solchen Lösungen arbeiten wir beispielsweise in unserer Kanzlei. Auch die explizite Zustimmung durch den Mandanten könnte sicherlich hilfreich sein bzw. ist (teilweise) berufsrechtlich auch schon vorgeschrieben.

M. E. könnten oder sollten solche Datenschutzgrundsätze in der Kandidatenausbildung zukünftig vielleicht noch stärker thematisiert werden, da gerade durch die Digitalisierung der Akten und gerade im Zusammenhang mit LLMs noch größere Risiken bestehen , dass Daten ungewollt an Dritte abfließen. Insofern verschiebt sich vielleicht zukünftig auch die Kompetenz bei bspw. Ausarbeitungen von Patentanmeldungen weg von der rein inhaltlichen Arbeit an der Erfindung und Anmeldung hin zur Überwachung der Realisierung der Patentierungsstrategien und der Steuerung der zugehörigen Datenflüsse.

Viele Grüße
Michael
PS.: Das kann natürlich auch professionnelle Anbieter von IP-KI-Lösungen betreffen - da wird man dann im Einzelfall schauen müssen, wo und wie die genutzten LLMs betrieben werden und ob sich dadurch die oben geschilderten Probleme ergeben oder nicht
 
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