Allg. Patentanwalt werden auf Umwegen (erst nach Jurastudium)

Planetman

Schreiber
Hallo,

bisher habe in der letzten Zeit immer wieder überlegt nach meinem 1. Staatsexamen die klassiche Juristeri an den Nagel zu hängen und als Patentanwalt tätig zu werden und mich diesbezüglich soweit es mir zum Zeitpunkt möglich war informiert. Mir ist dabei klar, dass ich ein technisches und/oder naturwisschenscaftliches Bachelorstudium und Masterstudium abschließen müsste. Derzeit sieht es so aus, dass ich mit ca. 25 Jahren dazu bereit wäre. Mein Schwerpunkt im Jurastudium ist das Öffentliche Medienrecht mit Fokus auf das Patent-und Urheberrecht.

Konkret habe ich mir vorgestellt entweder Chemie zu studieren oder ein sonstiges technisches Studium. Informatik geht meines Wissen ja leider nicht (hat sich dazu was geändert?/habe ich da was falsch verstanden?)

Meine Fragen sind nun:
  1. Ergibt es Sinn jetzt noch so spät die berufliche Laufbahn zu ändern, wenn mir die klassiche Juristerei nicht liegt? Mein großes Interesse ist nun einmal im Immaterialgüterrecht. Mich jetzt nach im Referandariat zwei Jahre durchs Strafrecht usw. durchquälen zu müssen ist doch kaum sinnvoll, oder doch? Später könnte ich ja noch das zweite Referendariat anhängen, falls ich z.B. nach einem Jahr oder so merke, dass mir das Zweitstudium nicht gleignt/Spaß macht. Eure Meinungen?

  2. Falls jemand mit einer solchen recht ungewöhnlichen Laufbahn hat: Wie habt ihr euren Lebensunterhalt während des Zweite Studiums bestritten. Mir käme jetzt nur in den Sinn (außer Kellnern usw.) als Diplomjurist am Unistandort tätig zu werden, natürlich vorzugsweise in einer Kanzlei die sich mit dem Immaterialgütterecht beschäftigt. Gerade in Chemie drüfte es aber fast unmöglich sein so zu arbeiten, da das Studium sehr zeitintensiv sein soll.

Grüße
Ich unter dem Pseudonym Planetman*

*Eine Alliteration :)
 

Asdevi

*** KT-HERO ***
Ich verstehe den Sinn der Unternehmung nicht ganz. Als Volljurist mit einem abgeschlossenen zweiten Staatsexamen hättest du die Vertretungsbefugnis sowohl vor dem DPMA als auch vor dem EPA. Und vor dem Einheitlichen Patentgericht, wenn es denn mal kommt. Du könntest sogar Verletzungsverfahren führen, was ein Patentanwalt nicht kann.

Stattdessen willst du mindestens 6 Jahre naturwissenschaftliches Studium plus praktische technische Tätigkeit, und dann noch 3 Jahre Patentanwaltsausbildung anschließen? Statt einfach 2 Jahre ins Ref zu gehen?
 
Zuletzt bearbeitet:

Planetman

Schreiber
@Asdevi

Wäre es dann besser das Ref durchzuziehen und dann eventuell nur ein naturwissenschaftliches Studium anzuhängen (nur Bachelor Chemie z.B.) um mit Mandanten besser naturwissenschaftlich "mitsprechen" zu können?

Was ich meine ist, dass ich später als einfacher Anwalt nie das Wissen haben werde wie ein Chemiker, der eventuell zu mir kommt. Und von der Tatsache, dass ich mich nicht als Patentanwalt bezeichnen darf und die Mandate, die mich interessieren und eher an einen Patentanwalt gehen, nicht komme, will ich nicht erst anfangen. Zumindest ist das mein momentanes Bild von der Lage.

Vielleicht klingt das blöd, aber die 10 Jahre jetzt zu investieren erscheint mir doch irgendwie besser als für immer als klassischer Jurist festzustecken. Und ihr Patentanwälte seid für mich die eher Angesehenen und vielleicht auch Klügeren.

Ansonsten bliebe mir nur das Chemiestudium als Hobbystudium anzufangen. Aber Patentanwalt wäre ich damit immer noch nicht.
 

Fragender

GOLD - Mitglied
Es gibt einzelne RA die auch ein natur/ingenieurwissenschaftliches Studium haben und de facto als PA arbeiten (haben als RA aber mehr "Befugnisse", beim BGH ist es etwas anders).
In welcher Reihenfolge die Studiengänge absolviert wurden kann ich nicht sagen.
Die Erfahrung zeigt, dass "normale" RA ohne technische Qualifikation zwar vor dem DPMA vertreten können, das jedoch in Patent- und Gbm-Sachen grundsätzlich nicht gut machen (gilt natürlich nicht für RA mit Spezialisierung auf Verletzungsverfahren, aber die verdienen da besser und vertreten daher eher nicht vor dem DPMA...).
Wenn Dich das Thema interessiert, wäre also evtl. eine Karriere als RA in Richtung Patentverletzung, Marken, o.ä. überlegenswert (oder als Jurist bei DPMA/BPatG/...).
 

Hans35

*** KT-HERO ***
Grundsätzlich kann jeder zu jeder Zeit seinen Lebensplan ändern. Wenn du mit deiner Berufswahl unglücklich bist, dann solltest du handeln.

Die wichtigste Vorfrage dabei wäre, ob dir ein naturwissenschaftliches Studium und das naturwissenschaftliche Denken liegt. Speziell in der Chemie kommt da noch ein recht umfangreiches Fachwissen dazu, das du dir aneignen musst. Hast du eine realistische Vorstellung davon?

Deine Vermutung, das du im Patentbereich nur mit einer soliden technische Ausbildung von Mandanten und Kollegen, aber auch von Patentprüfern und -Richtern letztlich als Gesprächspartner anerkannt wirst, dürfte jedenfalls zutreffen; die formale Vertretungsberechtigung (als Jurist) ist nur die halbe Miete.
 

kurisu

Schreiber
Hier mal ein paar Gedanken von mir, die du in deiner Entscheidung evtl. berücksichtigen könntest:

- Chemiestudium dauert idR 5 Jahre
- anschließender Doktor mind nochmal 3 Jahre; damit wäre auch die praktisch technische Tätigkeit abgedeckt, die das DPMA ja für die PA-Ausbildung fordert
- PA-Ausbildung anschließend nochmals 3-4 Jahre

In der Summe also 11-12 Jahre zum PA mit der Fachrichtung Chemie.

Du hast nach Informatik gefragt. Informatik wird vom DPMA als technisches Studium anerkannt. Statt Chemie könntest du also auch mit Informatik PA werden.

Dies würde 5 Jahre Studium erfordern.

Dann müsstest du noch schauen, dass du das 1 Jahr praktisch technische Tätigkeit irgendwie absolvierst, was du aber gut während des Studiums durch Nebentätigkeiten machen könntest. In Summe muss da dann halt 1 Jahr mit 40h Arbeit/Woche herauskommen.

Informatiker brauchen idR nicht zwingend einen Doktor, was bei Chemikern (s.o.) ja etwas anders ist.

In Summe wärst du dann mit ca. 8-9 Jahren bei PA mit der Fachrichtung Informatik.

Letzterer Weg mit Informatik gilt im Wesentlichen für einen Weg mit einer Ingenieurwissenschaft (E-Technik, Maschinenbau etc.) analog.

Dein erstes Staatsexamen wäre vor allem insofern von Vorteil, als du es für dein Hagenstudium - glaube ich - anrechnen lassen könntest.
 

Asdevi

*** KT-HERO ***
@Asdevi

Wäre es dann besser das Ref durchzuziehen und dann eventuell nur ein naturwissenschaftliches Studium anzuhängen (nur Bachelor Chemie z.B.) um mit Mandanten besser naturwissenschaftlich "mitsprechen" zu können?

Was ich meine ist, dass ich später als einfacher Anwalt nie das Wissen haben werde wie ein Chemiker, der eventuell zu mir kommt. Und von der Tatsache, dass ich mich nicht als Patentanwalt bezeichnen darf und die Mandate, die mich interessieren und eher an einen Patentanwalt gehen, nicht komme, will ich nicht erst anfangen. Zumindest ist das mein momentanes Bild von der Lage.

Vielleicht klingt das blöd, aber die 10 Jahre jetzt zu investieren erscheint mir doch irgendwie besser als für immer als klassischer Jurist festzustecken. Und ihr Patentanwälte seid für mich die eher Angesehenen und vielleicht auch Klügeren.

Ansonsten bliebe mir nur das Chemiestudium als Hobbystudium anzufangen. Aber Patentanwalt wäre ich damit immer noch nicht.
Die zwei Jahre Ref ersparen dir mindestens die 3 Jahre Patentanwaltsausbildung, die rein juristisch ist. Sie ersparen dir vermutlich auch die praktisch-technische Tätigkeit, denn die brauchst du eigentlich nur, um zur Patentanwaltsausbildung zugelassen zu werden.

Selbst wenn du also einen naturwissenschaftlichen Abschluss willst, dürfte es schneller gehen, den nach dem Ref anzuhängen.

Ganz zu schweigen von dem Vorteil, dass du schon "etwas" wärst, nämlich Volljurist. Du könntest auch schon mal als Jurist im Immaterialgüterrecht arbeiten, z.B in Verlerzungssachen, wo man sowieso immer einen braucht, und schauen ob dir das liegt.
 

Userin

Schreiber
Zu deiner 2. Frage kann ich dir aus eigener Erfahrung sagen, dass es möglich ist neben dem Chemie Studium zu arbeiten. Leicht ist es zwar nicht und viel Freizeit bleibt nicht mehr, aber es ist machbar.
Vor allem wenn du in einem besser bezahlten Job arbeiten kannst, bestenfalls flexiblen um dann am Wochenende und Abends nach dem Labor noch ein paar Stunden arbeiten zu können.
Wenn du danach eh Patentanwalt werden willst, musst du ja auch nicht unbedingt promovieren, also wären es dann „nur“ 6 Jahre. Ich weis auch von Chemikern die nicht promoviert haben und anschließend die Patentanwaltsausbildung begonnen/abgeschlossen haben.
Zusätzlich kann man den Master in München evlt. auch noch etwas verkürzen wenn man das gut plant.
 
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